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BRECHT EISLER / ARBEIT / CD / 1998

Konzept/Hintergrund:

Dies geht einem eine Weile nach …
… Bild Eisler mit Brecht in kleinkariertestem Gaststätten-Ambiente irgendwo im grauen Ost-Berlin der 50er Jahre, die Eingezwängtheit und Müdigkeit im Gesicht, das schale Bier vor sich auf der Tischdecke …
… dann das Filmdokument: Eisler erklärt mühsam beherrscht vor DDR-Kulturkommissaren die Notwendigkeit moderner Musikentwicklung unabhängig von Anwendung, Belehrung und Agitation, umkreist aufgeregt den Flügel, hält immer wieder ungläubig inne im Bewußtsein der Vergeblichkeit …
… und auch Eisler im Studio (Amiga, "Klingende Dokumente"), der der entnervten Sopranistin nach einigen Unterbrechungen ("bitte sehr, gnädige Frau!") sich selbst am Klavier begleitend das Lied von der Graugans vor-singt …
… und seine Entschiedenheit gegen die Dummheit in der Musik, und seine kraftvollen und seine zarten Lieder ("Musik soll freundlich sein"!) …(Carl)

"Da ich die Oper für schwachsinnig halte - schon wegen der Sänger, die ja unerträglich sind - und die Symphonien, wie sie sehen, auch für schwachsinnig halte, gibt es nur etwas, was notwendig wäre:
das Schweigen." (Eisler 1962)



Rüdiger Carl; Klarinette, Akkordeon, Rezitation
geb. 1944 in Goldap/Ostpr.

Seit Mitte der 60er Jahre aktiv in der europäischen free music scene
Theater-, Ballett und Filmmusiken
Seit Anfang der 70er Jahre kontinuierlich Platten- und CD-Produktionen bei >FMP<
1988 - 1992 Konzertorganisation "Musik im Portikus"
Wichtigste musikalische Stationen:
Schweizer/Carl/Moholo, Globe Unity Orchestra, Bergisch Brandenburgisches Quartett, Night and day, Cowws Quintett, Buben plus, Canvas Trio, Carl/Johansson

"Es handelt sich vor allem darum, die Zustände erst einmal zu entdecken (man könnte ebenso sagen, sie zu verfremden). Diese Entdeckung (Verfremdung) von Zuständen vollzieht sich mittels der Unterbrechung von Abläufen." (Walter Benjamin)


Christoph Korn, Gitarre
geb. 1965

Seit Beginn der 80er Jahre als Gitarrist in verschiedenen Punk Bands
1984 - 1990
Studium der Philosophie, Politologie, Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität
1985 - 1992
Klavier- und Theorieausbildung bei Oskar Vetre
Seit 1989 Arbeit vorwiegend im Bereich der sogn. freien musikalischen Improvisation und Komposition. Seitdem Zusammenarbeit u. a. mit Alfred 23 Harth, Vladimir Tarasov, Rüdiger Carl, Christoph Anders, Michel Pilz, Heinz Sauer, Joachim Zoepf, Charles Gayle, Wolfgang Schliemann (Musik), Fine Kwiatkowsky (Tanz), Michaela Ehinger (Bühne), Thomas Beutel (Literatur)
Seit 1994 Dozent für Ästhetik an der Fachhochschule Frankfurt am Main
1996 Gründung des Labels "rec out"

"Ein wichtiges Anliegen bei dieser platte ist mir, diesen kleinen Kunstwerken eine bislang kaum wahrgenommene Seite abzugewinnen; nämlich die zarte, sinnliche, verletzliche, bittere ...
Ich bin überzeugt, daß der menschlichen Tragödie, für welche diese Lieder stehen, erst dadurch die nötige Schärfe und Aufmerksamkeit entgegengebracht werden kann - vom Künstler wie vom Hörer gleichermaßen.
Hören heißt Verstehen - Verstehen heißt Empfinden." (Daemgen)


"Wir müssen lernen, auf Kausalerklärungen zugunsten von Probilitätskalkülen und auf logische Operationen zugunsten von Propositionskalkülen zu verzichten. Im Fall der Wert- und Erlebniskategorien ist die Sache weit schwerer. Nur ein Beispiel: wir werden herausgefordert, einen neuen Freiheitsbegriff zu erarbeiten, wenn es nicht mehr darum geht Bedingungen zu überwinden, sondern Ordnung ins Chaos zu tragen. Wir müssen lernen, nicht mehr “Freiheit wovon?”, sondern “Freiheit wozu?” zu fragen. Zum anderen: wir werden herausgefordert, unsere Arbeitsmoral durch eine andere zu ersetzen, wenn es nicht mehr darum geht, gegebene Wirklichkeit zu verändern, sondern darum, gegebene Möglichkeiten zu realisieren." (V.Flusser,1990)

"Es ist ein oft auftauchender Irrtum, wenn behauptet wird, diese Art der epischen Darbietung verzichte schlechthin auf emotionelle Wirkung: Tatsächlich sind ihre Emotionen nur geklärt, vermeiden als Quelle das Unterbewußtsein und haben nichts mit Rausch zu tun." (Brecht)

"Die Lautstärke und Dynamik des Gesangs bei ARBEIT soll bewußt an der unteren, zerbrechlichen Schwelle zum Verschwinden hin angelegt werden. Es sollen hier nicht zum wiederholten Male Textformeln marschmäßig eingebleut werden; der Hörer wird angeregt, ermutigt, selbst zu kombinieren, zu urteilen, zu empfinden und ... zu reagieren!" (Augst)

"Und es sind die finstern Zeiten
In der andern Stadt
Doch es bleibt beim leichten Schreiten
Und die Stirn ist glatt.
Harte Menschheit, unbeweget
Lang erfrornem Fischvolk gleich
Doch das Herz bleibt schnell gereget
Und das Lächeln weich." (Brecht 1943)

"Als Gymnasiast war mir Brecht zu plakativ proletarisch politisch und von Eisler hörte ich nur Gebell... Eine überraschende leise Melancholie fanden wir dahinter, so als drohe das Himmelreich." (Gold)


Roderich Gold, Mix
geb. 1955
mit 6 Jahren Klavierunterricht
mit 12 Jahren Tennisunterricht
1972-1974
Pianist bei "Blues Invention"
1974-1982
Studium der Mathematik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Diplomarbeit "Reduzierte quadratische Formen"; während des Studiums Tennislehrer
1982-1985
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der JWG-Universität
1980-1988
Keyboarder bei "Alan Woerner", "Anna Dobiey", "Planet P", "Moltostuhl", Liveauftritte und Studiotätigkeit
1983
erste Tätigkeit als Toningenieur, Beschäftigung mit Texten von Rilke, Musil, Th.Mann, Niebelschütz, Vertonung von Rilkes Gedicht "Von den Mädchen I"
1986
Beginn der Arbeit an Rilkes "Duineser Elegien"
1988
Gründung des eigenen Studios "Schlagerwerk"

"Eisler, experimentell arrangiert" (Frank Kämpfer, Deutschlandfunk Kultur, 21.03.1999)
"... zur Rezeption des Komponisten Hanns Eisler" (Hans Jürgen Linke, Goethe Institut)
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