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AUGST & DAEMGEN / seit 1998

Text über "ARBEIT" von Hanno Ehrler (DLF):

Das Lied ist der Pol, um den alles kreist. Mit beinah magischer Kraft zieht es "ARBEIT" in seinen Bann. Es ist der Ausgangspunkt für die Projekte, die Arbeitsfläche, auf der sich die kompositorische Kreativität der Musiker entfaltet, und es dient auch als Matrize für die Form, in die die musikalischen Ergebnisse eingebettet werden. Der enge Konnex zu der populären und mit schwerer Tradition behafteten Gattung bedeutet nun keineswegs, daß die Frankfurter Gruppe sich innerhalb der Grenzen eines konventionellen, vertrauten oder gar schlicht unterhaltsamen Terrains bewegt, im Gegenteil. Die Musiker nutzen sämtliche Freiheiten heutigen Komponierens. Eine davon ist die Möglichkeit, nicht mehr nur moderne, zeitgenössische Klänge, sondern ganz beliebiges Material zu verwenden. Das kann dann eben auch ein Volkslied, ein Schlager oder ein Kunstlied sein, was die Musiker wie ein Zitat einsetzen oder fragmentarisch und klanglich stark bearbeiten. So öffnet sich der Kontext, in dem das Lied ursprünglich stand. Nun läßt es neue Deutungen zu, neue Wege, mit der Liedmelodie, den Harmonien und Rhythmen oder auch der Anmutung des Stücks zu komponieren.
"ARBEIT" wählen für ihre Projekte ganz bestimmte Bereiche des Liedguts aus, vornehmlich solche, die ihnen heute wichtig scheinen. Über Volkslieder beschäftigten sie sich mit dem Begriff "Heimat", der durch Edgar Reitz´ gleichnamigen Film, durch Patriotismusdebatten und ähnliches in die Diskussion geraten ist. Unter dem Thema "Marx" spürten sie sozialistischen Propagandaliedern nach, um ein Dezennium nach dem Fall der Mauer die zerfallen scheinende Idee des Kommunismus zu reflektieren. Diesem und auch den anderen Themen haftet ein gesellschaftspolitischer Impetus an. Die Künstler arbeiten mit dem reaktionären oder progressiven, dem dogmatischen oder utopischen Gehalt des jeweiligen Liedguts. Sie projizieren ihn auf die gesellschaftliche Gegenwart und transformieren ihn durch ihre persönlichen Erfahrungen. So entstand beim "Marx"-Projekt ein Panorama aus satirischer DDR-Nostalgie, Sozialismuskritik und sentimentalem Nachsinnen über Utopien der eigenen Jugend, dessen kaleidoskopartige Vielschichtigkeit in bester aufklärerischer Tradition steht.
Die enge Verbindung zwischen Inhaltlichem und Musikalischem ist das Prinzip der Arbeit. Die Künstler wählen ein Thema, mit dem sie sich einige Zeit beschäftigen. Sie recherchieren ausführlich und hantieren, jeder für sich, am gefundenen Material, an Texten und Klängen. Ganz individuell erarbeiten sie Variationen, Collagen und Klänge. Das alles bildet einen Pool, mit dem dann in einem Prozeß des Austauschens und Improvisierens die "Endprodukte" entwickelt werden. Dabei überschreiten die Frankfurter Künstler die Grenzen des Werkbegriffs. Ihre Arbeit ist ein work in progress, bei dem jeder Manifestation, jedem Schritt weitere Schritte folgen. Dazu nutzen sie ganz unterschiedliche Formen der Realisierung.
Die Musiker von "ARBEIT" bilden eine Gruppe, verstehen sich aber zugleich als Individuen. Aus diesem Spagat beziehen sie ihre kreative Spannung. Es gibt Affinitäten in der Klangästhetik, die allen gemeinsam sind, etwa die ausgiebige, teils exzessive Verwendung von Geräuschen, von elektronischen Störgeräuschen wie Knistern, Knacken und Rauschen. Hingegen differieren die Vorlieben für bestimmte Arbeitsweisen und Musikstile, die von Popmusik über melodischen Gesang bis hin zu radikalen Geräuschexperimenten reichen und zitathaft eingesetzt werden. In diesem Klang-Arbeitsfeld der Frankfurter Gruppe brechen die engen Assoziationen, die der Begriff "Lied" zunächst setzt, auf und weichen einer gegenwärtigen, neuen Formulierung des Genres. (Hanno Ehrler, DLF)


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