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HEIMAT / 2001

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2001, S. 65
Kultur

Der Mond ist aufgegangen
TextXTND zeigt "heimat" im Frankfurter Theaterhaus
Es ist der Himmel: Wolkenberge schieben sich ins Bild, schwarz, weiß, Hunderte von Grautönen türmen sich auf blauem Grund, während andere, federleichte Formationen hoch oben schweben und von besserem Wetter künden. Da könnte man schauen, während man draußen sitzt, und sich eine der Wolken aussuchen, mit denen zu reisen sich lohnte. Es ist der Himmel, doch der ist Illusion. Davor sitzen Oliver Augst, Marcel Daemgen, Michaela Ehinger und Christoph Korn an Tischen mit Computern, Mischpult, Kabeln, Knöpfchen und machen Theater. Oliver Augst singt "Auf einem Baum ein Kuckuck" in sein Megaphon, die Schauspielerin Michaela Ehinger sortiert blaue und rote Kärtchen. "Der Glaube also, man könne sein eigenes Haus besitzen. Aber in Wirklichkeit, nicht wie eine Schnecke, tragen wir unser Haus in uns." Christoph Korn hält derweil Zettel ins Publikum: "die Mutter", "die Kirche", "die Pein" steht da. Und dann, endlich, setzt Musik ein. Leise und verträumt beginnt Korn "Der Mond ist aufgegangen" auf der Mundharmonika zu spielen, während im Hintergrund ein leises Rauschen und Fiepen einsetzt, anschwillt, sich mit gelegentlichen Gitarrenriffs vermischt.
Das neue Stück der Theatergruppe TextXTND kreist beständig um Erinnerungen, Entwürfe, romantische und romantisierende, peinliche und erschreckende Bilder, wie sie jeder mit sich herumträgt. Blühende Wiesen, duftender Apfelkuchen, der "Jäger aus Kurpfalz" und all die Lieder, um die Zeit nicht lang werden zu lassen auf endlosen Autofahrten oder um die Angst zu vertreiben. Ja, da gab es was. "Electronic music theatre" haben TextXTND ihre Arbeit "heimat" untertitelt, die jetzt im Frankfurter Theaterhaus uraufgeführt wurde. Volkslieder, Literatur und persönliche Erfahrung haben sie dafür durchforstet, die Ergebnisse auf Festplatten gespeichert und gesampelt. Herausgekommen ist eine unsystematische Ansammlung von Erinnerungsfetzen, kleinste Partikel, die, als Text manchmal wiedererkennbar, sich in der Musik in ein Kratzen und Rauschen und sich plötzlich entladende Klanggewitter auflösen. Und doch scheint es Muster zu geben, das An- und Abschwellen der Geräusche und Töne, die Wiederholung von Rhythmen, Lieder, die Strophe für Strophe die Aufführung durchziehen.
Niemals droht das Stück in die völlige Strukturlosigkeit abzugleiten. Meine Kinder, Kuchen backen, ein warmes Bad, Holunder: Wie Tropfen läßt Ehinger die Worte in den Raum perlen und schlägt damit Töne an, aus denen jeder im Publikum seine eigene Melodie komponiert. Assoziativ und sprunghaft wie das Gedächtnis, wie die Erinnerung selbst funktioniert "heimat", und das macht es spannend. Etwas abgegriffen, ja beinahe kitschig wirkt das Konzept aber, wenn TextXTND der Offenheit ihrer Metapher zu mißtrauen beginnen und den Zuschauer mit der Nase auf die diskreditierte Seite des Heimatbegriffs stoßen wollen. Eine Katharsis, nach der der Text von neuem poetische Töne anschlägt. "'ne Möwe", haucht Michaela Ehinger verträumt, und man meint ihren sachten Flügelschlag, den Ruf des Vogels zu hören, während er über den bewegten Himmel gleitet. Ganz von Ferne scheint nun die Musik zu kommen, Klavierspiel wie vom Grammophon, und Ehinger wirft ihre Karteikarten in die Luft: "geistige Heimat, Sehnsucht, Heimtücke", Worte nur. "Nicht ich bin in der Heimat, die Heimat ist in mir."
Und dann geht noch einmal der Mond auf, der Blick verliert sich in dem weiten, wolkenverhangenen Himmel, und man ist ganz weit weg, bei sich.
CHRISTOPH SCHÜTTE_____________________


Frankfurter Rundschau

Die Kuckucksfrage
Das elektronische Musiktheaterstück "Heimat" im Frankfurter Theaterhaus Von Hans-Jürgen Linke

"Da kam ein junger Jäger", verkündet Oliver Augst übers Megaphon, "und schoss den armen Kuckuck tot." Er hätte auch sagen können: Das Nest ist umstellt, kommen Sie einzeln und mit erhobenen
Kuckuckseiern heraus. Muss er aber nicht, denn das Megaphon suggeriert allein schon viel Sicherheit, und Kuckucke sind vor allem ein Sicherheitsproblem, wenn man bedenkt, in welche Ambivalenzen sie biedere Singvögel stürzen können mit ihren Betrugsmanövern.
Andererseits: Totschießen ist nicht die feine Art. Stellt sich das Volkslied etwa auf die Seite des Jägers? Nur auf den ersten Blick. Denn in der letzten Strophe ist der Kuckuck einfach wieder da, und da freuten sich die Leute sehr. Die Ambivalenz bleibt also erhalten, wir können uns abwechselnd mit dem Jäger und mit den Leuten freuen und über das wunderbare elektronische Musiktheater um den Begriff Heimat, das Michaela Ehinger, Oliver Augst, Marcel Daemgen und Christoph Korn im Theaterhaus aufführen.
Was Heimat ist, weiß man nur im deutschen Sprachraum. Man kann sich zum Beispiel gut vorstellen, dass der Begriff und das dazu gehörige ortlos-sehnsüchtige Gefühl unter Alpenbewohnern entstanden ist.
Vielleicht hatten einige als Seeleute angeheuert und vermissten irgendwann ihren spezifisch verengten, äußerst differenzierten Horizont. Ernst Bloch sah im Heimatbegriff einen utopischen, in der Kindheit wurzelnden Gehalt. Für die Nazis dagegen war Heimat ein politischer Kampfbegriff, was letztlich dazu führte, dass die meisten Deutschen plötzlich keine Heimat mehr hatten und die Ambivalenzen eher noch
intensiviert wurden.
Was soll man nun mit diesem Begriff, der sich seit bald drei Jahrhunderten in der deutschen Sprache bläht, anfangen?
Auf der Bühne sucht sich jeder seinen eigenen Weg mit und durch Sprache, Elektronik, Text. Oliver Augst reagiert mit szenischen musikalischen Komponenten, verfremdeter Sprache über Mega- und Mikrophon und sorgt immer wieder für Rückkopplungen (vielleicht sind Rückkopplungen ja die beharrende Selbstreflexion elektronischer Klangbearbeitung?) und für Wiederkehr-Rituale. Christoph Korn zeigt verschwiegene
Einzelworte auf weißen Blättern hoch: die Eule, die Braut, die Kirche, die Stube, das Schifflein . . . und kommentiert krass und lakonisch, meist mit der Gitarre.
Michaela Ehinger vertritt in diesem kontrapunktischen Konstrukt den Cantus firmus mit ihrer Stimme, ihren Texten, ihrer körperlichen Präsenz, beispielsweise mit ihren Füßen, ohne die das Wort "Wiese" nicht wirklich verständlich geworden wäre. Zwanglos und dicht verzahnt sie ihre Beiträge mit Korns Einzelworten, mit Augsts Situationskomponenten und mit Marcel Daemgens elektronischer Hinter-, Mittel- und
Vordergrundarbeit, in die hinein man sich vertrauensvoll verlieren könnte wie in den deutschen Wald. Seine Klangwelt ist immer da, immer diskret und tragend zugleich und immer wieder überraschend.
Die Quartett-Produktion Heimat funktioniert wie Kammermusik: Stets bleibt jede Einzelheit transparent, und ein theatralisches Ganzes ensteht nur bei gelingender Abstimmung. Es entsteht, weil die vier bei ihrer Arbeit am historischen, philologischen und klanglichen Material weit gekommen sind, aber nicht den Eindruck vermitteln, unter irgend etwas einen Schlussstrich gezogen zu haben. Sie halten ihre Spannung, geben und nehmen sich Zeit und Aufmerksamkeit.
Und weil es immer weiter geht, auch wenn sie sich zurück wenden, gerät der humusartige Begriff Heimat in einen Schwebezustand wie ein alter deutscher Zeppelin. Der hat auch diese riesigen, archaischen Ausmaße und kann trotzdem einfach so fliegen. Solange der Motor funktioniert und der Ballst nicht zu schwer ist.
Weitere Aufführungen im Theaterhaus, Schützenstr. 12, am 27. und 28. April, 20 Uhr, am 11. und 12. Mai im OFK in Offenbach, am 30. Juni in Tübingen und am 3. Juli in Wien.

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Copyright © Frankfurter Rundschau 2001
Dokument erstellt am 26.04.2001 um 21:13:58 Uhr
Erscheinungsdatum 27.04.2001

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D L F (Deutschlandfunk)
heimat, TEXTxtnd, 25.4.2001, Frankfurt, Theaterhaus
Sendung Musikjournal 30.4.2001, 20.10 Uhr

Hanno Ehrler

K: Unter dem Label TEXTxtnd firmiert in Frankfurt ein Künstler- und Komponistenkollektiv, dass durch konzeptionelle Projekte auffällt. Solch ein Projekt galt vor zwei Jahren der Musik und Person von Hanns Eisler und schlug sich nieder in einer Bühnenpremiere, einer Videoarbeit, einem Hörspiel und einer Audio-CD. Ihr Videofilm zum Thema wurde 1999 mit dem hessischen Filmpreis bedacht. Ähnlich medial mehrgleisig haben Oliver Augst, Marcel Daemgen, Michaela Ehinger und Christoph Korn neuerdings etwas zum Thema "Heimat" geplant. Persönliche Erinnerungen, Volkslied und deutsche Literatur waren für die künstlerische Umsetzung des Sujets das wichtigste Ausgangsmaterial. Am 25. April kam als erstes nun die Bühnenarbeit heraus. Hanno Ehrler sah und hörte für uns die Premiere am Theaterhaus Frankfurt am Main

Musik 1

Was lieben Sie an Ihrer Heimat besonders?

O-Ton Korn 1
Wir sind eben gerade nicht so herum vorgegangen, dass wir uns hingesetzt haben und überlegt haben, was ist denn jetzt eigentlich Heimat. Da würde man natürlich kommen auf Globalisierung, dann Emigration, Migration, dann würde man im zweiten Schritt fragen, ja wie setzt man jetzt Migration und Globalisierung theatralisch-musikalisch um, und würde dann im dritten Schritt Szenen und Musik entwickeln, die das irgendwie sozusagen ausdrücken, kommentieren, weiterführen, oder so. Das war überhaupt nicht unser Ansatz. Wir haben eigentlich über das Thema Heimat als Ensemble nie diskutiert, sondern was uns daran interessiert, war vielmehr der Begriff Heimat als Platzhalter eines Archivs, eines Archivs von Sprache, von deutscher Sprache eben, und der Erfahrung, die sich darin abdrückt. --- 0´53´´

Dieses Archiv von Sprache haben sich der Gitarrist Christoph Korn und die anderen Mitglieder des Ensembles TEXTxtnd, Oliver Augst, Marcel Daemgen und Michaela Ehinger, aus Volksliedern, Tagebüchern und literarischen Texten zusammengestellt. Dazu kommen musikalische Elemente, Volksliedmelodien und assoziationsbeladene Klänge wie der Sound einer Mundharmonika.
Die vier Performer sitzen an einer Tischreihe, die frontal zum Publikum im Frankfurter Theaterhaus aufgestellt ist, dahinter eine Leinwand, die einen wolkenbedeckten Himmel zeigt. "heimat" heißt das Stück, das nun beginnt und das vom Ensemble frei improvisiert wird. Der Musiker Christoph Korn:

O-Ton Korn 2
Zugang ist, dass wir die Elemente jeder von uns sehr individuell aus diesem Spracharchiv gesampelt haben, wenn man so will. Und die werden dann tatsächlich im Live-Geschehen improvisatorisch interagiert, da haben wir unser Setup, bestehend aus elektronischen Instrumenten, Gitarren, Megaphon, Verstärkeranlagen, Sampler - ich weiß zum Beispiel jetzt noch nicht, was ich in einer Stunde jetzt tatsächlich auch davon auch verwende, und wie ich mein Setup benutze und welchen Klang ich hervorhole, das ist wirklich ganz offen. --- 0´38´´

Musik 2 Freude schöner Götterfunken

Schillers "Ode an die Freude" mit Beethovens Melodie war das wohl bedeutungsvollste Zitat, das die Gruppe TEXTxtnd in ihre Performance "heimat" eingeflochten hatte - hervorgeholt aus den Speichern des Samplers, daher klanglich verzerrt und außerdem in ein Geräuschumfeld eingebunden.
Daneben erklangen Volkslieder, durchs Megaphon gesungen und von rauen, experimentellen Gitarrensounds begleitet, auf der Mundharmonika gespielte oder gesummte Melodiebruchstücke sowie Texte und Textfragmente - all das untermalt und eingehüllt von elektronischen Geräuschen - Rauschen, Knacken, Knistern, Brummen. Die Schauspielerin Michaela Ehinger:

O-Ton Ehinger
Es ist interessant, die kleinen Mosaikstücke zu entdecken, auf der Suche: Was kann denn Heimat sein, für einen Menschen, der im Jahr 2001 lebt und vielleicht eine Geschichte von 30, 40 Jahren hat, also was werden da für Bilder lebendig, und welche Bilder kommen aus einer anderen Zeit zu uns herüber, aus unserer Geschichte, die noch so einen Anklang von Heimat bedeuten, wo Fragezeichen auftauchen, Widerwille, oder wo man eine Schönheit erahnt, die man selber nicht mehr erlebt? --- 0´35´´

Diese Mosaikstücke erscheinen durch das geräuschige Klangumfeld verfremdet. Der Kontrast zwischen den vertrauten Bilder und Melodien und dem Gesamtklang führt dazu, dass das Vertraute viel bewusster als solches wahrgenommen wird.
Die Aufmerksamkeit wird auf die durch die Performance hochgespülten Erinnerungen und Assoziationen fokussiert.
Die Performance "heimat" will damit aber keine sentimentale Rückschau auf vermeintlich verlorengegangene Werte sein, wie die seinerzeit mit großer Öffentlichkeitswirkung publizierte Filmserie von Edgar Reitz - ganz im Gegenteil. Sie betont viel eher die Fragwürdigkeit des Begriffs "Heimat", sie wirft Licht auf seinen Bedeutungsverlust und blickt auf ganz aktuelle Aspekte. Viele Texte, auch solche aus vergangener Zeit, berühren brisante Fragen nach Fremde und Fremden, andere beschäftigen sich mit dunklen Seiten der deutschen Vergangenheit, stets mit feinem Gespür für eine vielperspektivische, intelligente und klangbewusste Kombination von Melodie, Geräusch und Text.
Schließlich legen die vier hervorragend aufeinander eingespielten Akteure großen Wert auch auf szenische Elemente.

Der Musiker Oliver Augst:

O-Ton Augst 1
Das ist nicht so, dass wir uns nicht genau überlegt haben, was ist ein Auftritt, wie funktioniert der. Wenn ich auf die Bühne trete, bin ich nicht nur einfach ein Musiker, der eine Saite anschubst, sondern dann ich bin auch eine Figur, ich bin auch so eine Art wie eine eigene Installation, mit mir und meinem Instrumentarium. ---
0´19´´

Das ist deutlich zu bemerken. Jede Geste scheint durchdacht, wie zum Beispiel die Instrumente gehalten werden, wie darauf gespielt wird und nicht zuletzt wie die Textdeklamation gestaltet ist. Mit "heimat" gelang der Gruppe TEXTxtnd daher nicht nur eine thematisch wichtige und aktuelle, phantasievoll und brillant umgesetzte Text-Klang-Arbeit, sondern auch eine eigenwillige Art von Musiktheater, für das die Gruppe den Begriff "electronic music theatre" verwendet.

O-Ton Augst 2
Da sind wir eigentlich erst hingekommen, weil im Englischen wirklich so etwas Schillerndes drin liegt, also wenn man jetzt sagt, electronic music theatre, dann könnte man übersetzen: Musiktheater, quasi im landläufigen Sinne, aber elektronisches Musiktheater oder aber Theater der elektronischen Musik, das könnte man beides in dem Englischen finden , und so löst es sich ganz ab von diesem doch sehr überladenen und für uns nicht wirklich positiv behafteten Musiktheaterbegriff, denn da landet man zwangsläufig bei der Oper und so weiter . .. Aber es ist auch schwer, etwas Anderes zu erfinden, und dann nur Performance zu sagen, ist auch irgendwo eine Art von Feigheit, denn an diesem theatralischen Moment ist uns auch gelegen. --- 0´38´´

Musik 3 Auf einem Baum ein Kuckuck

E N D E

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Pressereviews (Kurz-Auszüge)Frankfurter Rundschau
Mahlers Wunderhorn-Lieder von 1892, Eislers Neue deutsche Volkslieder von 1949 und Augst, Daemgens, Korns
" revised german folk songs" von 2001 - das ist dreimal der Versuch, das Einfache und Kollektive vom Ruch
der ästhetischen Beschränktheit zu befreien. Sicher ist: der jüngste Versuch ist ein Volltreffer geworden.
(Bernhard Uske)

DLF, BR, Musiktexte
Eine tolle Arbeit. Ich denke, sie gehören zum Interessantesten, was ich in letzter Zeit an neuer Musik gehört habe...
(Hanno Ehrler)

WDR, Studio akustische Kunst
" Für einen Moment gab es 1990 die dann doch nicht realisierte Chance, dieses Lied würde zur neuen
deutschen Hymne werden: "Anmut sparet nicht noch Mühe", die sogn. Knderhymne von Bertolt Brecht zur Musik von Hanns Eisler, enstanden 1949. Brechts Kinderhymne, hier mit einem minimal Techno-Arrangment extrem gegen den Strich gebürstet, und doch, sie hält es aus, sie wirkt, sie strahlt geradezu.....die revised
german folksongs der Gruppe "arbeit".....eine radikale Entromantisierung"
(Michael Rüsenberg)

jungle world
Ein anderes Stück: Langsam wächst ein fieser Feedbackton, begleitet von Knistern und Rauschen.
Unerträglich. Dann eine Pause. Dann wieder dieses Feedback. Aber nur auf einem Kanal. Auf dem anderen,
diesmal ganz weit nach hinten gemischt, wieder die Stimme, sie singt »Freude, schöner Götterfunken«. Sehr
ausdrucksstark, aber so in sich gefestigt, dass es nicht pathetisch klingt. Das Feedback bricht ab, und
die Stimme bellt durch ein verzerrtes Mikrophon: »Besatzung!«, »Mannschaft!«, »Apparat!«, »Kolonne!«,
» System!« Wieder setzt eine größere Pause ein. Wieder kommt das Feedback. Und auf einmal sagt die Stimme, ganz fest, ganz mitleidslos: »Da kam ein junger Jäger / der schoss den armen Kuckuck tot.« Sie sagt es noch einmal und noch einmal. Aus dem Feedback haben sich derweil verzerrte Gitarrenakkorde entwickelt. Ende. Wirklich: Ende. Denn was die Frankfurter Gruppe arbeit, Christoph Korn, Marcel Daemgen
(beide verantwortlich für den Sound), Oliver Augst (die Stimme) und Alexandra Maxeiner (noch eine Stimme), auf ihrer gerade erschienenen CD »An den deutschen Mond« inszeniert, ist eine Explosion. Ein
Auseinanderreißen und Zerfetzen von Zusammenhängen, die wir entweder als besonders vertraut oder kitschig wahrnehmen. Es geht um Volkslieder, um Melodien und Texte, die sich besonders tief ins so genannte kollektive Unterbewusste eingegraben haben.

Drone
This professional working project from Germany re-works old german folk-songs and creates something
between heartful poptunes and experimental digital-deconstructivsm, all with a critical approach.
Exceptional stuff!

DeutschlandRadio
Mit einer solchen Klangarbeit setzen Oliver Augst, Marcel Daemgen und Christoph Korn Kontraste zu den
musikalischen Klischees, mit denen das Volkslied behaftet ist und die seine Identität ausmachen. Das
Geräusch bildet einen Kontrapunkt zu den einfachen Harmonien und schönen Melodien, so daß dem anheimelnd Vertrauten ein befremdender Effekt gegenüber steht, selbst in Liedern wie "Ich stand auf hohem Berge" oder "Maria durch ein´ Dornwald ging", die sich in ihrer formalen Anlage im Rahmen der gewohnten Formen der Popmusik bewegen. Im Spiegel der Geräusche erscheinen die rhythmischen und harmonischen Klischees der Lieder aus einer anderen Perspektive. Inhaltliche Aspekte werden dadurch unterstrichen und
interpretiert, und auch das rein Musikalische erscheint in ungewöhnlichem Licht, gebrochen, in Frage
gestellt und gelegentlich ironisiert.
(Hanno Ehrler)

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Bei ihrer Version von "Der Mond ist aufgegangen" etwa entdeckte die Gruppe in Matthias Claudius' Text viel
zerbrechliche Schönheit. Reizvoll vor allem: das Zusammenspiel der fragilen Stimme der Sängerin Alexandra
Maxeiner mit den elektronischen Beats à la Björk oder Kruder und Dorfmeister.

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